Beckenbodentraining


Wahrnehmung, Aktivierung, Entspannung und funktionelles Training

Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskelschichten und unterstützt wichtige Funktionen im Bereich von Blase, Darm und Beckenorganen. Er arbeitet außerdem mit der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie mit der Atmung zusammen.

Beckenbodentraining bedeutet nicht automatisch nur Kräftigung. Je nach persönlicher Situation kann es ebenso wichtig sein, die Muskulatur besser wahrzunehmen, gezielt anzuspannen, vollständig zu entspannen und ihre Koordination mit Atmung und Bewegung zu verbessern.

Welche Schwerpunkte für Sie sinnvoll sind, ergibt sich aus Ihren Beschwerden, Ihrer aktuellen Beckenbodenfunktion und der physiotherapeutischen Untersuchung.

Physiotherapeutisch angeleitetes Beckenbodentraining

Individuell statt nach Standardschema

Nicht jeder Beckenboden ist zu schwach. Beschwerden können auch mit einer erhöhten Muskelspannung, einer eingeschränkten Wahrnehmung oder einer unzureichenden Koordination verbunden sein.

Ein allgemeines Übungsprogramm mit möglichst vielen oder möglichst kräftigen Anspannungen ist daher nicht für jede Patientin und jeden Patienten geeignet.

Auf Grundlage des physiotherapeutischen Befundes werden geeignete Übungen ausgewählt, verständlich angeleitet und individuell dosiert.

Wahrnehmen

Sie lernen, Lage, Aktivität und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur gezielter wahrzunehmen.

Kontrollieren

Anspannung und Entspannung werden kontrolliert und passend zur jeweiligen Aufgabe eingesetzt.

In Bewegung nutzen

Die erlernte Beckenbodenfunktion wird schrittweise mit Atmung, Bewegung und körperlicher Belastung verbunden.

Physiotherapeutische Untersuchung

Bevor mit einem gezielten Beckenbodentraining begonnen wird, sollte geklärt werden, welche Funktion tatsächlich beeinträchtigt ist.

Beschwerden

Art, Verlauf und auslösende Situationen

Wahrnehmung

Fähigkeit zur gezielten Aktivierung

Muskelspannung

Anspannung und vollständiges Loslassen

Koordination

Zusammenspiel mit Atmung und Bewegung

Ihre körperlichen Voraussetzungen, bisherige Operationen, Schwangerschaften, Geburten, sportliche Belastungen und persönlichen Therapieziele können ebenfalls in die Planung einbezogen werden.

Hochenergie-Induktionstherapie als mögliche Ergänzung

Bei geeigneter Indikation kann die Hochenergie-Induktionstherapie, auch MRT-Therapie genannt, ergänzend eingesetzt werden. Hochintensive elektromagnetische Impulse können Nerven und Muskulatur stimulieren und dadurch die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur unterstützen.

Ob diese Anwendung für Sie sinnvoll ist, wird individuell beurteilt. Voraussetzung ist, dass das verwendete Gerät laut Hersteller für den Beckenbodenbereich vorgesehen ist und keine Gegenanzeigen bestehen.

Beckenbodentraining ist mehr als das wiederholte Anspannen einzelner Muskeln. Entscheidend ist, welche Funktion bei Ihnen verbessert werden soll und welche Behandlung zu Ihrem persönlichen Befund passt.

Mögliche Anwendungsbereiche

Beckenbodentraining für unterschiedliche Beschwerden und Lebenssituationen

Welche Übungen und therapeutischen Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von der jeweiligen Ursache, der Beckenbodenfunktion und dem physiotherapeutischen Befund ab.

Belastungsinkontinenz

Mischinkontinenz

Verminderte Wahrnehmung des Beckenbodens

Schwierigkeiten beim Anspannen oder Entspannen

Beschwerden nach Schwangerschaft und Geburt

Rehabilitation nach Operationen im Beckenbereich

Training nach Prostataoperationen

Funktionelle Beschwerden des Beckenbodens

Unterstützendes Training bei Senkungsbeschwerden

Beckenboden und Inkontinenz

Bei einer Belastungsinkontinenz kommt es beispielsweise beim Husten, Niesen, Lachen, Springen oder bei körperlicher Belastung zu ungewolltem Urinverlust.

Individuell angeleitetes Training kann dabei helfen, Kraft, Ausdauer, Koordination und die gezielte Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur zu verbessern.

Bei starkem Harndrang oder Dranginkontinenz können zusätzlich Blasentraining und eine entsprechende Beratung sinnvoll sein.

Nach Schwangerschaft und Geburt

Schwangerschaft und Geburt stellen besondere Anforderungen an den Beckenboden.

Nach der Geburt kann es sinnvoll sein, zunächst Wahrnehmung, Atmung und eine kontrollierte Aktivierung der Muskulatur wieder aufzubauen.

Anschließend wird die Belastung entsprechend Ihrer Situation und möglicher Beschwerden schrittweise gesteigert.

Beckenbodentraining für Männer

Auch Männer können von einem gezielten Beckenbodentraining profitieren.

Eine wichtige Anwendung ist die Rehabilitation nach Operationen an der Prostata.

Die Übungen können die gezielte Muskelkontrolle fördern und die Wiedererlangung der Kontinenz unterstützen.

Kraft und Ausdauer

Bei verminderter Kraft oder Ausdauer können gezielte Aktivierungsübungen eingesetzt werden.

Die Dosierung wird so gewählt, dass die richtige Muskulatur kontrolliert angespannt wird und anschließend wieder vollständig entspannen kann.

Wahrnehmung und Entspannung

Ein gut funktionierender Beckenboden muss nicht nur Kraft entwickeln, sondern auch wieder loslassen können.

Bei dauerhaft erhöhter Muskelspannung stehen daher zunächst Wahrnehmung, Atmung und Entspannung im Vordergrund.

Ergänzende MRT- beziehungsweise Induktionstherapie

Eine berührungslose elektromagnetische Stimulation kann bei geeigneter Indikation eine zusätzliche Möglichkeit darstellen, die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur zu unterstützen.

Erste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen insbesondere bei bestimmten Formen der Harninkontinenz vielversprechende Verbesserungen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht bei allen Menschen gleich und die wissenschaftliche Datenlage ist noch nicht einheitlich.

Die Anwendung wird deshalb individuell ausgewählt und mit aktivem Beckenbodentraining kombiniert. Sie ersetzt weder die physiotherapeutische Untersuchung noch das selbstständige Üben.

Training, Atmung und Alltag

Beckenbodenfunktion schrittweise in Bewegung und Belastung übertragen

Ziel ist nicht, den Beckenboden dauerhaft oder möglichst häufig anzuspannen. Die Muskulatur soll situationsgerecht aktiviert, koordiniert und anschließend wieder entspannt werden können.

Atmung und Beckenboden

Beckenboden und Atmung arbeiten funktionell miteinander zusammen. Während der Atmung verändern sich die Druckverhältnisse im Bauchraum und die Aktivität der beteiligten Muskelgruppen.

Die bewusste Koordination von Atmung und Beckenboden kann deshalb Bestandteil der Therapie sein.

Die Übungen folgen dabei keinen starren Atemregeln. Entscheidend ist ein zur jeweiligen Bewegung und Belastung passender Einsatz der Muskulatur.

Wie wird trainiert?

Zu Beginn stehen meist einfache Wahrnehmungs-, Aktivierungs- oder Entspannungsübungen im Vordergrund.

Im weiteren Verlauf werden Ausgangsposition, Bewegungsanforderung, Dauer und körperliche Belastung schrittweise gesteigert.

Ziel ist die Übertragung der erlernten Beckenbodenfunktion in Alltag, Beruf, Training und Sport.

Schrittweiser Trainingsaufbau

Im Liegen

Im Sitzen

Im Stehen

Bei Alltagsbewegungen

Unter Belastung

Beckenboden im Alltag

Eine situationsgerechte Beckenbodenfunktion ist besonders bei Belastungen wie Husten, Niesen, Heben oder Tragen relevant.

Deshalb beschränkt sich die Therapie nicht ausschließlich auf isolierte Anspannungsübungen.

Je nach Befund werden auch alltägliche Bewegungsabläufe und körperliche Belastungen in das Training integriert.

Beckenboden und Sport

Auch beim Sport ist eine situationsgerechte Beckenbodenfunktion wichtig.

Bei Beschwerden wird individuell beurteilt, welche Belastungen gut toleriert werden und wo Anpassungen sinnvoll sein können.

Statt allgemeiner Sportverbote werden Belastung, Technik und Training schrittweise an Ihre persönliche Situation angepasst.

Eigenübungen

Regelmäßiges selbstständiges Üben ist ein wichtiger Bestandteil des Beckenbodentrainings.

Entscheidend sind jedoch nicht möglichst viele Wiederholungen, sondern eine korrekte Ausführung, eine geeignete Dosierung und ein Programm, das zu Ihrem Befund passt.

Induktionstherapie innerhalb des Behandlungskonzepts

Die Hochenergie-Induktionstherapie kann bei geeigneter Indikation als ergänzende, nicht-invasive Anwendung in das Beckenbodentraining integriert werden. Die elektromagnetischen Impulse können Muskelkontraktionen auslösen und dadurch die Wahrnehmung und Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur unterstützen.

Gute individuelle Verbesserungen sind möglich, insbesondere wenn die Anwendung zum jeweiligen Beschwerdebild passt und mit aktivem Training, Eigenübungen und einer angepassten Belastungssteuerung verbunden wird. Ein bestimmter Behandlungserfolg kann jedoch nicht garantiert werden.

Vor der Behandlung werden mögliche Gegenanzeigen geprüft. Dazu gehören unter anderem bestimmte elektronische Implantate, eine Schwangerschaft sowie weitere medizinische Besonderheiten.

Wann ist eine weitere medizinische Abklärung wichtig?

Bestimmte Beschwerden sollten zusätzlich medizinisch beziehungsweise fachärztlich abgeklärt werden.

  • Neu auftretender oder ungeklärter Urin- oder Stuhlverlust
  • Blut im Urin oder Stuhl
  • Ausgeprägte oder plötzlich aufgetretene Schmerzen
  • Wiederkehrende Harnwegsinfekte
  • Deutliches Druck- oder Fremdkörpergefühl im Becken
  • Neurologische Auffälligkeiten

Bei Bedarf kann eine Zusammenarbeit mit Urologie, Gynäkologie, Proktologie oder anderen medizinischen Fachrichtungen sinnvoll sein.

Ihr individuelles Beckenbodentraining

Je nach Befund können Wahrnehmung, Entspannung, Kraft, Ausdauer und Koordination unterschiedliche Schwerpunkte der Therapie bilden. Gemeinsam entwickeln wir ein Trainings- und Behandlungskonzept, das zu Ihren Beschwerden, Ihren körperlichen Voraussetzungen und Ihrem Alltag passt.

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