McKenzie - Methode


Systematische Untersuchung, gezielte Bewegungen und aktive Selbstbehandlung

Die McKenzie-Methode ist ein systematisches physiotherapeutisches Untersuchungs- und Behandlungskonzept. Sie wurde vom neuseeländischen Physiotherapeuten Robin McKenzie entwickelt und wird vor allem bei Beschwerden an der Wirbelsäule eingesetzt.

Ein Schwerpunkt liegt darauf, zu untersuchen, wie sich wiederholte Bewegungen, bestimmte Körperpositionen und alltägliche Belastungen auf Ihre Beschwerden auswirken. Dabei wird beobachtet, ob Symptome stärker oder schwächer werden, gleich bleiben oder ihre Ausbreitung verändern.

Auf Grundlage dieser Reaktionen können individuell geeignete Bewegungen, Eigenübungen und Empfehlungen für Ihren Alltag ausgewählt werden. Ihre aktive Mitarbeit und ein zunehmend selbstständiger Umgang mit den Beschwerden spielen dabei eine zentrale Rolle.

Physiotherapeutische Untersuchung und Bewegungstherapie nach der McKenzie-Methode

Beschwerden durch Bewegung untersuchen

Bei der Untersuchung werden Bewegungen nicht nur einmalig getestet. Bestimmte Bewegungsrichtungen oder Positionen können mehrfach wiederholt beziehungsweise für eine gewisse Zeit gehalten werden.

Dabei wird beobachtet, wie sich Ihre Schmerzen, mögliche Ausstrahlungen, die Beweglichkeit und andere Symptome unmittelbar verändern.

Manche Bewegungen können Beschwerden verstärken, während andere Bewegungsrichtungen Symptome reduzieren oder Bewegungen erleichtern können.

Diese Reaktionen liefern wichtige Informationen für die Auswahl der weiteren physiotherapeutischen Maßnahmen und Ihrer persönlichen Eigenübungen.

Symptome beobachten

Entscheidend ist, wie Ihre Beschwerden auf wiederholte Bewegungen, gehaltene Positionen und alltägliche Belastungen reagieren.

Bewegungsrichtung erkennen

Es wird untersucht, ob eine bestimmte Bewegungsrichtung Ihre Symptome günstig beeinflusst und sich als Eigenübung eignen kann.

Selbstmanagement fördern

Sie lernen, geeignete Übungen selbstständig durchzuführen und Veränderungen Ihrer Beschwerden besser einzuschätzen.

Ablauf der McKenzie-Untersuchung

Zu Beginn werden Ihre Beschwerden, deren Verlauf und das Verhalten der Symptome genau besprochen. Anschließend werden ausgewählte Bewegungen und Positionen systematisch untersucht.

Anamnese

Verlauf, Lokalisation, Ausstrahlung und mögliche Auslöser Ihrer Beschwerden werden besprochen.

Ausgangsbefund

Beweglichkeit, aktuelle Symptome und funktionelle Einschränkungen werden dokumentiert.

Wiederholte Bewegungen

Ausgewählte Bewegungen werden mehrfach ausgeführt und deren Wirkung wird überprüft.

Erneute Beurteilung

Danach werden Symptome, Beweglichkeit und funktionelle Veränderungen erneut beurteilt.

Welche Reaktionen werden beobachtet?

Nicht nur die momentane Schmerzstärke ist relevant. Auch die räumliche Verteilung der Beschwerden, die Beweglichkeit und die Reaktion nach einer Bewegung werden berücksichtigt.

Veränderung der Schmerzintensität

Es wird beobachtet, ob Beschwerden während oder nach einer Bewegung zunehmen, abnehmen oder unverändert bleiben.

Veränderung der Ausbreitung

Bei ausstrahlenden Beschwerden wird berücksichtigt, ob sich die Symptome weiter in Arm oder Bein ausbreiten oder näher zur Wirbelsäule zurückziehen.

Veränderung der Beweglichkeit

Bewegungen werden vor und nach der Testbewegung verglichen, um mögliche funktionelle Veränderungen zu erkennen.

Reaktion im Alltag

Auch die Wirkung von Sitzen, Stehen, Gehen, Bücken, Heben oder längeren Körperpositionen wird berücksichtigt.

Das mögliche Phänomen der Zentralisation

Bei manchen Patientinnen und Patienten verändern wiederholte Bewegungen die räumliche Verteilung der Beschwerden. Schmerzen oder andere Symptome, die zuvor weiter in ein Bein oder einen Arm ausgestrahlt haben, können sich dabei näher in Richtung der Wirbelsäule zurückziehen.

Diese Veränderung wird im McKenzie-Konzept als Zentralisation bezeichnet. Sie kann ein klinisch hilfreicher Hinweis darauf sein, dass die getestete Bewegungsrichtung für die weitere Behandlung geeignet sein könnte.

Dabei kann es vorkommen, dass die Beschwerden näher an der Wirbelsäule vorübergehend noch spürbar sind. Entscheidend ist die Gesamtentwicklung der Symptome und nicht ausschließlich die momentane Schmerzstärke.

Individuell ausgewählte Übungen

Wenn sich während der Untersuchung eine günstig wirkende Bewegungsrichtung zeigt, können daraus gezielte Eigenübungen entwickelt werden.

Die Übungen werden zunächst gemeinsam durchgeführt. Dabei werden Ausgangsposition, Bewegungsumfang, Anzahl der Wiederholungen und Häufigkeit individuell festgelegt.

Sie erhalten außerdem Hinweise, welche Reaktionen während der Übung akzeptabel sind und bei welchen Veränderungen eine Anpassung oder Rücksprache erforderlich ist.

Regelmäßige Anpassung

Ihre Reaktion auf die Übungen wird im Therapieverlauf regelmäßig überprüft. Verbessern sich Beweglichkeit, Symptomverteilung oder funktionelle Belastbarkeit, kann das Programm schrittweise erweitert werden.

Verändert sich das Beschwerdebild oder zeigt eine Übung nicht den erwarteten Effekt, wird die Auswahl entsprechend angepasst.

Die Methode folgt daher keinem starren Übungsprogramm. Die konkrete Behandlung richtet sich nach Ihrem individuellen Untersuchungsbefund.

Mögliche Anwendungsbereiche

Die McKenzie-Methode kann vor allem dann eingesetzt werden, wenn Beschwerden durch Bewegungen oder Positionen nachvollziehbar beeinflusst werden können.

Rückenschmerzen

Akute, länger bestehende oder wiederkehrende Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule.

Nackenbeschwerden

Beschwerden, die durch Kopfhaltung, Sitzen oder Bewegungen der Halswirbelsäule beeinflusst werden.

Ausstrahlende Symptome

Beschwerden, die vom Rücken oder Nacken in ein Bein beziehungsweise einen Arm ausstrahlen.

Bewegungseinschränkungen

Eingeschränkte oder schmerzhafte Bewegungen, die systematisch untersucht werden können.

Wiederkehrende Episoden

Beschwerden, die bei bestimmten Belastungen oder Bewegungsgewohnheiten wiederholt auftreten.

Alltag und Beruf

Einschränkungen beim Sitzen, Stehen, Gehen, Bücken, Heben oder bei beruflichen Tätigkeiten.

Körperpositionen und Haltung

Längeres Sitzen, häufiges Bücken oder das Verharren in einer Position können Beschwerden beeinflussen. Es gibt jedoch nicht die eine perfekte Haltung, die für alle Menschen und jede Situation geeignet ist.

Gemeinsam wird untersucht, welche Positionen für Sie aktuell günstig oder ungünstig sind und wie Sie belastende Situationen durch Positionswechsel und Bewegungspausen besser steuern können.

Übertragung in den Alltag

Ein wichtiges Ziel besteht darin, dass Sie die in der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse im Alltag selbstständig anwenden können.

Dazu können Hinweise zum Sitzen, Arbeiten, Bücken, Heben, Schlafen, Sport oder zu längeren Autofahrten gehören. Die Empfehlungen werden an Ihre persönliche Situation angepasst.

Manuelle Unterstützung bei Bedarf

Wenn eine Bewegung zunächst nicht selbstständig ausreichend durchgeführt werden kann, können ergänzend manuelle Techniken eingesetzt werden.

Ziel bleibt jedoch, dass Sie die für Sie hilfreiche Bewegung möglichst selbstständig ausführen und im Alltag anwenden können. Passive Maßnahmen stehen daher nicht im Mittelpunkt des McKenzie-Konzeptes.

Selbstmanagement und langfristiger Umgang

Sie sollen verstehen, welche Bewegungen und Belastungen Ihre Beschwerden beeinflussen und welche Maßnahmen Sie selbstständig einsetzen können.

Symptome besser verstehen

Übungen sicher durchführen

Belastungen anpassen

Rückfälle früh erkennen

Wann ist vorab eine ärztliche Abklärung erforderlich?

Nicht alle Rücken- oder Nackenbeschwerden sind für eine bewegungsorientierte Selbstbehandlung geeignet. Bei Hinweisen auf eine ernsthafte oder akut behandlungsbedürftige Ursache ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

  • Neu aufgetretene oder zunehmende Lähmungserscheinungen
  • Ausgeprägte Gefühlsstörungen oder Taubheit
  • Störungen der Blasen- oder Darmfunktion
  • Starke Beschwerden nach einem Unfall oder Sturz
  • Fieber, deutliche Krankheitszeichen oder ungeklärter Gewichtsverlust
  • Starke nächtliche Beschwerden ohne erkennbare Entlastungsposition
  • Plötzlich aufgetretene, ungewöhnlich starke oder rasch zunehmende Symptome

Auch bei bekannten schweren Erkrankungen, frischen Operationen oder unklaren Beschwerden wird vor Beginn der Behandlung geprüft, ob eine zusätzliche medizinische Abklärung notwendig ist.

Die McKenzie-Methode ist kein allgemeines Standardprogramm für alle Rücken- oder Nackenbeschwerden. Ob das Konzept für Ihre Situation geeignet ist und welche Bewegungsrichtung eingesetzt wird, ergibt sich aus der individuellen physiotherapeutischen Untersuchung und Ihrer Reaktion auf die getesteten Bewegungen.

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